Importierte Fahrzeuge spielen auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt eine wichtige Rolle, bergen jedoch ein deutlich höheres Betrugsrisiko. Eine Analyse des Kfz-Datenunternehmens carVertical zeigt: Bei aus dem Ausland importierten Fahrzeugen ist die Wahrscheinlichkeit eines manipulierten Kilometerstands mehr als fünfmal so hoch wie bei Fahrzeugen, die ausschließlich in Deutschland genutzt wurden. Da historische Fahrzeugdaten beim Export häufig nicht länderübergreifend verfügbar sind, entstehen erhebliche Transparenzlücken, die Betrug begünstigen und das Vertrauen der Käufer in den europäischen Gebrauchtwagenmarkt schwächen.

Diese Unsicherheit spiegelt sich auch in einer europaweiten Umfrage von carVertical wider: 74,6 % der deutschen Autofahrer befürchten, beim Kauf eines Gebrauchtwagens ein Fahrzeug mit versteckten Mängeln zu erwerben.

Importfahrzeuge weisen deutlich häufiger manipulierte Kilometerstände auf

Für die Analyse wertete carVertical alle Fahrzeughistorien aus, die zwischen August 2025 und Juli 2026 von Nutzern in Deutschland erworben wurden. Insgesamt wiesen 1,9 % der überprüften Fahrzeuge einen manipulierten Kilometerstand auf. Betrachtet man jedoch ausschließlich Importfahrzeuge, steigt der Anteil auf 4,2 %. Bei Fahrzeugen, die ihr gesamtes Leben in Deutschland verbracht haben, lag die Quote dagegen bei lediglich 1,4 %. Damit ist das Risiko eines zurückgedrehten Tachos bei Importfahrzeugen dreimal höher.

Auch das Vertrauen in den Gebrauchtwagenhandel leidet unter dieser Intransparenz. Laut einer europaweiten carVertical-Umfrage mit mehr als 10.000 Teilnehmern – darunter über 1.000 Befragte aus Deutschland – vertrauen 27,7 % der deutschen Autokäufer Gebrauchtwagenhändlern überhaupt nicht.

Ein wesentlicher Grund dafür ist die mangelnde Verfügbarkeit grenzüberschreitender Fahrzeugdaten. Kilometerstände, Unfallhistorien und weitere wichtige Informationen verbleiben häufig im Ursprungsland des Fahrzeugs. Dadurch können selbst seriöse Händler oft nicht erkennen, dass ein Fahrzeug bereits einen manipulierten Kilometerstand aufweist oder in einen schweren Unfall verwickelt war.

„Verschiedene Länder haben unterschiedliche Gesetze bezüglich der Manipulation von Kilometerzählern, was es schwierig macht, diese Art von Betrug international zu kontrollieren. Da Länder keine historischen Fahrzeugdaten austauschen, beginnt die Geschichte eines Autos bei Null, sobald es exportiert wird. Deshalb ist das Risiko, ein Auto mit zurückgedrehtem Kilometerstand zu kaufen, bei der Wahl eines importierten Modells immer um ein Vielfaches höher“, erklärt Matas Buzelis, Kfz-Experte bei carVertical.

Rund jedes dritte geprüfte Fahrzeug in Deutschland stammt aus dem Ausland

Importfahrzeuge haben in Deutschland einen spürbaren Marktanteil. Laut der Analyse wurden 18 % der über carVertical geprüften Fahrzeuge aus dem Ausland importiert, während 82 % ursprünglich aus Deutschland stammen. Europaweit variiert der Importanteil erheblich – besonders hoch ist er unter anderem in Lettland, Litauen, der Ukraine und Serbien.

Mit steigenden Importzahlen wächst auch das Risiko, auf Fahrzeuge mit versteckten Schäden oder manipulierten Kilometerständen zu treffen. „„Fahrzeuge aus anderen Ländern kommen oft nach Unfällen oder mit zurückgedrehten Kilometerständen. Nur weil ein Auto aus Frankreich, Österreich oder einem anderen Land stammt, bedeutet das nicht automatisch, dass es in gutem Zustand ist. Jedes Auto hat seine eigene Geschichte, und nicht alle davon sind angenehm“, sagt Buzelis.

Fehlende Daten erschweren den Verbraucherschutz

Während Behörden in der Regel umfangreiche Informationen über Fahrzeuge besitzen, die dauerhaft im Inland zugelassen waren, gehen viele dieser Daten beim Export faktisch verloren. Für Käufer bedeutet das: Ein wesentlicher Teil der Fahrzeughistorie bleibt häufig verborgen.

Entsprechend deutlich fällt die Forderung nach mehr Transparenz aus. 83,6 % der deutschen Befragten sind der Ansicht, dass Käufer Zugang zu historischen Fahrzeugdaten erhalten sollten. Zudem sprechen sich 64,8 % dafür aus, nicht sensible Fahrzeugdaten grenzüberschreitend verfügbar zu machen.

Auch bei der Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) überwiegt der Wunsch nach mehr Offenheit. Obwohl sie in einigen europäischen Ländern als personenbezogene Daten behandelt werden, sind mehr als 79 % der deutschen Befragten der Meinung, dass die FIN-Nummern keine sensible Information darstellen und ihre Offenlegung kein Risiko für die Privatsphäre birgt.

Wie notwendig mehr Transparenz wäre, zeigt die Erfahrung vieler Autofahrer: 47,4 % der über 1.000 deutschen Befragten geben an, bereits mindestens einmal von einem unehrlichen Verkäufer getäuscht worden zu sein und ein Fahrzeug mit manipuliertem Kilometerstand oder versteckten Mängeln gekauft zu haben. Weitere 17 % wissen nicht, ob sie betroffen waren. Ein besserer Datenaustausch und ein leichterer Zugang zu historischen Fahrzeuginformationen könnten dazu beitragen, Betrug einzudämmen und den europäischen Gebrauchtwagenmarkt transparenter zu machen.

Methodik

Die carVertical-Studie analysierte Fahrzeugberichte, die von den Nutzern des Unternehmens in EU-Ländern zwischen August 2025 bis Juli 2026 erworben wurden.

Darüber hinaus basiert diese carVertical-Studie auf einer Umfrage, die auf dem Ladebildschirm des carVertical-Berichts angezeigt wurde und zwischen Oktober bis November 2025 mit rund 10.000 Befragten in 37 Ländern durchgeführt wurde, darunter über 1.000 Befragte in Deutschland. Da sich die Umfrage ausschließlich an carVertical-Nutzer richtete, repräsentiert die Stichprobe Personen, die sich aktiv für Gebrauchtwagen interessieren.

Über carVertical

carVertical ist ein IT-Datenunternehmen, das riesige Mengen an Fahrzeugdaten aus über 1.000 weltweiten Quellen sammelt und standardisiert, darunter nationale und bundesstaatliche Register von Strafverfolgungsbehörden, Finanzinstitute und Kleinanzeigenportale in 37 Ländern. Anschließend bündeln wir diese komplexen Daten in innovativen und benutzerfreundlichen B2B- und B2C-Produkten und verwandeln so Rohdaten in wertvolle Marktinformationen, Prognosen und umfassende Fahrzeugberichte.
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